Wir informieren über den
HÜFTGELENKSCHMERZ

2. Schmerzen im Bereich des Stütz- und Bewegungsapparates
               2.2 Gelen kschmerz
                                 2.2.1 Chronischer Hüftgelenkschmerz

Ein Hüftgelenkschmerz kann durch unterschiedlichste Erkrankungen hervorgerufen werden.

Die häufigste Ursache für einen Hüftgelenkschmerz ist die Arthrose, eine vorwiegend degenerative (= abnutzungsbedingte) Gelenkerkrankung, die (mit großen Schwankungen) erst mit zunehmendem Alter auftritt. 
Bei der sog. Coxart hrosis deformans (Ar thropathia deformans) bestehen schmerzhafte, zunehmend funktionsbehindernde Gelenkveränderungen infolge eines Mißverhältnisses zwischen Belastung und Belastbarkeit des Gelenkknorpels. 
Betroffen sind vor allem das Hüft- und Kn iegelenk.

Die Ausbildung einer Arthrosis und der damit verbundene Hüftgelenkschmerz (chronischer) kann durch mehrere Faktoren begünstigt werden. So z.B. bei Vorschädigungen infolge eines Unfalls, durch eine eigenständige Gelenksentz ündungen (Coxar thritis), oder auch durch eine permanente Fehlbelastungen z.B. bei Fehlstellung der Bei ne (X- oder O-Bei ne). Zur Prävention (= Vorbeugung) einer Ar throse sollten deshalb präarthrotische (= einer Ar throse vorausgehende, eine Ar throse begünstigende) Deformitäten (= Fehlbildungen) beseitigt werden.

Eher selten können auch Tumore zu einem
Hüftgelenkschmerz führen, meist geht dieser von der Innenhaut der Gelenkkapsel (Membrana synovialis) oder von der Gelenkkapsel selbst aus. An gutartigen Tumoren kommen vor: Lipome (= Fettgewebsgeschwulste), Fibrome (= Bindegewebsgeschwulste) oder Hämangiome (= Wucherungen von Blutgefäßen). Bösartig ist das maligne Synovialom. 

Zu einem
Hüftgelenkschmerz (chronischer) kommt es auch bei einer Gelenkentz ündung (Coxar thritis) infolge einer Systemerkrankung. I.d.R. sind dann aber mehrere Gelen ke betroffen. Als Ursache dominieren rheumatische bzw. rheumatoide (= rheumaähnliche) Prozesse. 
Im Jugendalter kann ein Gelen k- bzw.
Hüftgelenkschmerz im Rahmen einer systemischen juvenilen chronischen Ar thritis (S till Syndrom) auftreten, eine meist symmetrisch verteilte Polyar thritis (= En tzündung in mehreren Gelen ken). Begleitende Krankheitszeichen sind Fieber, Milz- und Lebervergrößerung sowie Lymphknotenschwellungen. 
Bei oder nach Infektionskrankheiten (z.B. Masern, Mumps, Röteln, Windpocken) kann es ebenfalls zu einem Gelen k- bzw.
Hüftgelenkschmerz kommen, sog. parainfektiöse reaktive Ar thritiden (= Gelenken tzündungen).

Behandlung bei Hüftgelenkschmerz
Grundsätzlich gilt, daß durch eine geeignete Diagnostik
(= Maßnahmen zur Erkennung von Krankheiten) versucht werden muß, eine für die geklagten Schmerzen ursächliche, spezifische Erkrankung zu entdecken. Gelingt dies, so muß diese zunächst kausal (= entsprechend der Krankheitsursache) behandelt werden. 
Dazu ein Beispiel: Ist der chronische
Hüftgelenkschmerz Folge eines bereits weitgehend zerstörten Gelenkes, so kommt eigentlich nur die operative Einpflanzung einer sog. Endoprothese in Frage. 
Beim rheumatisch bedingten
Hüftgelenkschmerz überläßt der Schmerztherapeut die medikamentös/ systemische Grundbehandlung dem erfahrenen Rheumatologen. 
Verbleibt nach einer krankheitsspezifischen Behandlung dennoch ein
Hüftgelenkschmerz, so eignen sich zur Behandlung folgende Maßnahmen, wobei ein chronischer Hüftgelenkschmerz praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren erfordert:

Medikamentöse Behandlung beim Hüftgelenkschmerz
Akut und subakut können bei einem
Hüftgelenkschmerz  zunächst (vorwiegend) peripher wirkende Analgetika (= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (= Rheumamittel), aus dieser Gruppe möglichst langwirkende und magenschonende wie z.B. Mobec®. Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die  sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®) oder Etoricoxib (Arcoxia®), allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Bei stärkeren schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch Muskelrelaxanzien (= Mittel zur Muskelentspannung) (z.B. Norflex®, Mydocalm®) verordnet werden. 
Manchmal ist aber ein stärkerer
Hüftgelenkschmerz nur mit zentralwirkenden Analgetika (z.B. Tramadol, Valoron N®) (= im Gehirn bzw. Rückenmark wirkende Schmerzmittel) beherrschbar. 
Grundsätzlich sollte aber auch beim chronischen
Hüftgelenkschmerz eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar Abhängigkeit vermieden werden. 
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression, aber auch bei chronischen Hüftgelenkschmerz hilfreich) (z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.

Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) bei Hüftgelenkschmerz (chronischer):
Bei einem chronische n
Hüftgelenkschmerz sollten rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit langwirkenden Lokalanästhetika (= örtliche Betäubungsmittel) (z.B. Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen und Nervenblockaden. Dabei wird das schmerzhafte Gelen k wiederholt (stationär bei uns zwei mal täglich) großzügig perikapsulär (= um die Gelenkkapsel herum) infiltriert. Das Gelen k kann auch mit "Zeel" umspritzt werden, was manchen Patienten mit "homöopathischer" Grundeinstellung sehr entgegen kommt. 
Als nächst höhere Therapiestufe sind bei einem
Hüftgelenkschmerz häufig auch Katheterverfahren sinnvoll. Hierbei wird über einen dünnen Kunststoffschlauch, der in örtlicher Betäubung dicht an schmerzleitende Nervenstrukturen gelegt wird, mehrfach täglich ein örtliches Betäubungsmittel eingespritzt. 
Die das Hüftgelenk versorgende Ner ven stammen aus dem sog. Pl exus lum balis
(= Nervengeflecht der Lende). Dieser Plexus kann über den Nervus femora lis (= vorderer Oberschenkelnerv), der selbst dem Pl exus lum balis entstammt, betäubt werden. Der dünne Kunststoffschlauch (Katheter) wird deshalb etwas unterhalb der Leiste an den vorderen Oberschenkelnerv gelegt, und zwar genau in dessen Ner venscheide (= Gewebsumhüllung der Nervs). Während nun das verdünnte, örtliche Betäubungsmittel mehrmals täglich in den Katheter eingespritzt wird, wird der Oberschen kel mit einer Manschette unterhalb der Kathetereinstichstelle abgestaut. Auf diese Weise wird das eingespritzte örtliche Betäubungsmittel innerhalb der Ner venscheide nach oben „getrieben“ und betäubt dann zusätzlich den Pl exus lum balis und damit auch das ftgelenk
Wenn ein
Hüftgelenkschmerz beiderseits besteht, wird man eher die epidurale (= rückenmarknahe) Betäubung mit Katheter durchführen.  

Grundsätzlich wird das Lokalanästhetikum (= örtliche Betäubungsmittel) jeweils so verdünnt verabreicht, daß nur die Sensibilität (= u.a. Schmerzempfindung) betroffen ist, die Motorik (= Muskelfunktion) aber erhalten bleibt und damit begleitend intensive, gelenkfunktionserhaltende sowie funktionsfördernde krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich sind, bzw. bei stärkeren Schmerzen durch Hemmung der Nozizeption (= Schmerzreizleitung) erst möglich werden.
Nervenblockaden haben darüber hinaus einen sehr günstigen Nebeneffekt. Durch die gleichzeitige Blockade vegetativer Nervenfaseranteile
(= Ner ven des unwillkürlichen Nervensystems) kommt es im korrespondierenden Gewebebereich zu einer sehr deutlichen Mehrdurchblutung, die jedem entzündlich/ degenerativen Prozeß nachhaltig entgegenwirkt. In diesem Sinne ist bei einem
Hüftgelenkschmerz aufgrund einer Entz ündung oder auch Arthrose diese Behandlung nicht nur symptomatisch (= nicht nur auf die Schmerzen gerichtet), sondern fast schon kurativ (= heilend).

Aktuell schreibt die Deutsche Arthrose-Hilfe e.V. dazu:
" Was tun gegen Ar throse in der Hüf te? Schmerzen in der Hüf te können in vielen Fällen auf eine Durchblutungsstörung hinweisen, die sogar zu einem Zusammenbrechen des Hüftkopfs führen kann. Oft entwickelt sich dann eine besonders schwere Ar throse des Hüftgelenks."

Physikalische Therapie beim Hüftgelenkschmerz
Auch eine Elektrostimulation kann beim
Hüftgelenkschmerz eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden paarig über dem Gelenk aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden. 
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist die oberflächliche Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist. Manche Patienten mit einem
Hüftgelenkschmerz empfinden allerdings lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme Bäder können ebenfalls einen Hüftgelenkschmerz lindern. 
Die Verordnung von gewöhnlichen Massagen ist auch beim
Hüftgelenkschmerz nicht sinnvoll. Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen Kosten.
Nahezu unverzichtbar ist aber bei Gelen kschmerzen die heilgymnastische Therapie, da meist nur diese geeignet ist, Gelenkfunktionen zu fördern bzw. zu erhalten.

Andere Therapiemaßnahmen beim Hüftgelenkschmerz
Der Vollständigkeit halber darf die Akupunktur zur Behandlung bei einem chronischen
Hüftgelenkschmerz nicht unerwähnt bleiben. Auch eine Magnetfeldtherapie kann hilfreich sein.
Hypnoide
(= bewußtseinsverändernde) Verfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen der psychologischen Schmerztherapie eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie. Beim
Hüftgelenkschmerz (chronischer) ist auch ein Schmerzbewältigungstraining sinnvoll.

Chronische Schmerzen in anderen Gelen ken:
Kniegelen kschmerzen
Schultergelen kschmerz
Handgelen kschmerzen
Fußgelen kschmerzen
 
Ellenbog enschmerzen   

   

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